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Uris Tagebuch |
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23.11.2003 – Gerechter Frieden zwischen Israel und Palästina Mein Weiterreichen des amerikanischen Hassfest-Flugblattes hat vielen Freunden Ärger gebracht, was ich bedauere. Interessanterweise ist niemand auf die Idee gekommen zu fragen ob das stimmen kann, genau so wie ich und wie vor mir andere sind viele diesem Hoax aufgesessen und haben die Information sofort weitergeschickt. Nochmals bitte ich um Entschuldigung. Gemäss Baruch, der sich noch mehr geärgert und sich nun besessen mit der Frage auseinandersetzt, wessen Creation dieses Flugblatt wirklich war, sollen es Seelenverwandte dieser Anti-Israel Vereinigung sein, die grosszügig helfen wollten. Erst dachte ich, es könnte vielleicht etwas analog der provokativen Plakataktion (Wie machen die Juden ihr Geld etc.) der Schweizer Antirassismus-Organisation sein, die erst auf den zweiten Blick preisgaben, worum es sich handelte. Aber das war es wohl nicht, es war ernst gemeint, nur weiss niemand von wem. Auch die amerikanische ADL nicht, die diesen „Scherz“ aufdeckte. Bis heute werde ich mit Anfragen von Leuten, von den ich noch nie gehört habe, darüber eingedeckt – ich verweise sie alle an den ADL im Internet. Wie es scheint, komme ich vom Thema „selbsthassende Juden“ nicht los. Der kuriose Verein „Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden zwischen Israel und Palästina“ macht mir zu schaffen. Im Internet ist dessen Plattform zu sehen. Wer dahinter ist, geht aber nicht daraus hervor, Namen habe ich keine gefunden. Aber die monumentale Arroganz der meisten Aussagen ist bemerkenswert. So ist die Prioritätensetzung. Was ist die Motivation dahinter – deckt sie sich mit meiner Analyse vom 14.11.2003? Muss man die Psychologie bemühen? Das Hauptproblem des heutigen Judentums ist nicht die Regierung Scharon, sondern der wiederkehrende Antisemitismus. Der Scharon ist keine Dauererscheinung, wir leben in einer Demokratie. Hier ein paar unvollständige Kommentare, zu Aussagen dieser Plattform. Die mir aufgefallen sind::
Wofür eingestanden wird – nur schon die Prioritäten sind äusserst fragwürdig::
6. Auch die letzten Erkenntnisse israelischer Neu-Historiker wie Benny Morris, Shlaim, Tom Segev etc. haben nichts mit der Theorie der ausschliesslichen Verantwortung Israels an der Flüchtlingsfrage am Hut. Sie haben nur mit der Mär aufgeräumt, Palästinenser seien ausschliesslich aus eigenem Antrieb geflohen, weil sie von den arabischen Staaten dazu aufgerufen worden seien. Es war differenzierter. 12. Was ist „Berücksichtigung“ der Mitverantwortung arabischen Machthaber an der heutigen Situation des Nahost-Konflikts? Es sind genau diese Machthaber, die sich bis heute weigern palästinensische Flüchtlinge zu integrieren und sie statt dessen für ihre eigene Machterhaltung manipulieren. Jordanien ist hier die Ausnahme. 14. Was ist ein uneigennütziges Angebot in der Politik? Sie, die Palästinenser, in den Zustand zurückzuversetzen, in dem sie in der Westbank und Gaza vor dem Sechstagekrieg waren? Zurück in die jordanische Besetzung? 15. Da ich ein Koexistenzaktivist bin und vor Ort dafür etwas tue, mit israelischen Arabern Freundschaften hege, weiss ich auch, dass zahlreiche Diskriminierungen bestehen. Sie erschweren und verbittern unseren Arabern das Leben. Eigentlich weiss das jeder Israeli, es gibt leider solche die Diskriminierungen sogar vertreten. Gesetzlich sind die Bürger Israel alle gleich, die Anwendung der Gesetze ist ungleich. Das muss geändert werden. Aber jeder israelische Araber lebt freier und besser als jeder Araber in einem arabischen Land und nimmt diese Freiheiten auch wahr. Leider organisiert sich die arabische Gesellschaft politisch unklug, fehlende demokratische Traditionen haben ihren Preis. In meinen Augen ist dies das wirkliche Problem Israels, denn es trägt für alle seine Bürger Verantwortung. Allerdings braucht es Engagement jüdischer Israelis, aber auch vermehrte Eigeninitiative dieser arabischen Bürger selbst. Dieses Problem zur Eigenprofilierung jüdischer Schweizerbürger zu missbrauchen, stösst mir auch. Es wäre schön, wenn sich diese genauso für Minderheitenrechte in Saudiarabien, in Ägypten oder sonst wo im Mittleren Osten einsetzen würden. 16. Berechtigte Kritik an der Politik Israel sei kein Freibrief für Hetze und Angriffe auf Juden und Jüdinnen. Dieser Punkt ist ein Feigenblatt, ging vorerst, so scheint mir, eigentlich vergessen und wurde in einem Anfall von „Ausgewogenheit“ noch hinzu gefügt. Zudem ist er überflüssig, in der heutigen Zeit sind auch Araber und Muslime in Europa verhasst, allerdings ohne Zusammenhang mit Palästina und Israel. Gesamthaft gesehen denke ich, dass die Organisation DAVID von Frank Lübke ehrlich (wenn auch überbordend und nicht immer zu 100% differenziert) ist und für sich selbst einsteht. Diese Vereinigung schamhafter Juden für einen gerechten Frieden ist nicht ehrlich und steht nicht einmal für sich selbst ein. Auf einer anderen Seite der Website wird das Genferabkommen zur Eigenprofilierung missbraucht. Das hat es nicht verdient. Nur schon die Diskussion, die es ausgelöst hat, ist den Trubel wert. Es gibt auch heute viele Israelis, die Frieden wollen und dafür arbeiten. Aus dem Communique könnte man meinen, das sei nicht der Fall. Weder Yossi Beilin, noch Avrum Burg, Mitzna und die anderen schieben die Schuld einseitig ihrem eigenen Land in die Schuhe. Ich bin überzeugt, dass sie diese Unterstützung aus jüdischen Schweizer Kreisen nicht geniessen werden. Es gibt sehr viel für jüdische Schweizer zu tun. Sich mit lokalem Antisemitismus, mit weltweitem arabischem Terror gegen Juden und alles westliche, gegen palästinensische antijüdische Hasskampagnen zu befassen, internationale zionistische Organisationen wieder in eine weniger nationalistische Richtung zu lenken, das wären Aufgaben. In wirtschaftlicher und besonders in sozialer Hinsicht jetzt braucht Israel Hilfe, den Weg aus seiner gegenwärtigen Politik zu finden, ohne als Ganzes in Frage gestellt zu werden. Viele Juden aus der Diaspora tun das. Auch darf man sich durchaus legitim ein Desinteresse an Israel und am Zionismus zulegen. Nur in Ärsche zu kriechen gehört nicht zu diesem Aufgabenkreis. Als letztes noch etwas. Am israelischen Kiosk ist der Sonntagsblick nicht zu kaufen. Jemand sandte mir daraus einen Aufsatz von Frank A. Meyer, in dem er in etwa das selbe, nur mit einem anderen Aufhänger, sagt, wie seinerzeit Frank Lübke. Darüber kann man verschiedener Meinung sein. Doch ist es beschämend, dass sich Juden nicht in den Massenmedien (Tachles gehört nicht dazu) mit diesen Anliegen zu Wort melden und es Frank A. Meyer überlassen, sie und den jüdischen Staat (nicht Scharon und seine Regierung) zu vertreten und sich damit zu exponieren. |
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Paul Uri Russak, 66,
gebürtiger Schweizer, schreibt sein vor allem an jüdische und christliche
Freunde gerichtetes Tagebuch seit September 2000. Er wohnt im Weindorf
Zichron Ya'akov am südlichen Ende des Carmelberges, nahe am Meer. Uri ist
gelernter Verlagsbuchhändler, heute pensioniert. |