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In meinem Leben hat sich in den letzten Monaten eine Kaffeehauskultur
entwickelt. Bis zweimal die Woche treffe ich mich mit einem meiner Freunde
in einem der Kaffeehäuser Zichron Ya’akovs, meist vormittags. Wir reden
über das tägliche Leben, Politik und persönlichen Ziele unserer
Tätigkeiten. Heute Vormittag war ich mit Hani Hasisi beim „Deutschen“,
einem Lokal an der lokalen Flanierviertelmeile, gestern war ich mit Adam
in einem Café neben der Carmel Kelterei, ganz ruhig gelegen und mit einer
Keramikgalerie in der oberen Etage. Wenn ich mit Adam ausgehe, gibt es
Apfelkuchen in irgend einer Form. Im Café Bären (Dubim) gibt es
Apfelstrudel in Portionen, mit denen man eine Familie ernähren könnte.
Manchmal treffe ich mich mit Baruch, wenn sich dieser vom Computer
losreissen lässt, an dem er weit mehr sitzt als ich, meist überflüssige
Nachrichten mit mehrtägiger Verspätung zusammenstellt und in die USA
sendet.
Mit Hani dem Drusen, sprach ich über die israelischen Araber, zu denen er
sich entfernt zugehörig fühlt, auch wenn er überzeugter Zionist ist. Wenn
die arabischen Bürger, ihre Städte und Dörfer von der Regierung
proportionell weniger Budget für ihre Infrastrukturen bekämen, sei das
nicht er Hauptgrund für ihre schlechten Strassen, vernachlässigten Schulen
und schlecht funktionierende Abfallentsorgung. Sogar zur Zeit der
Regierung Itzchak Rabins, als das Geld in grosser Menge zu den arabischen
Stadt- und Dorfregierungen geflossen sei, sei es diesen zwischen den
Fingern versickert. Arabische Bürger und vor allem ihre Politiker, hätten
nie gelernt mit öffentlichen Geldern umzugehen, grosse Teile seien korrupt
und hätten wenig Sinn fürs Gemeinwohl – über das traditionsbedingte Fehlen
einer „Civil Society“ wurde ich schon von Said Abu-Shakra belehrt. Da ich
immer wieder von jüdischen Israelis (darunter ein Bürgermeister, der es
wissen sollte) belehrt worden bin, dass arabische Bürger ihre Lokalsteuern
nicht zahlen (ein Hauptargument gegen die arabisch-israelische
Gemeinschaft), brachte ich diese Frage bei Hani an. Ich dachte bisher,
dass diese Behauptung eines der Delegitimierungsargumente für jene
jüdischen Israelis sei, die prinzipiell alles arabische ablehnen. Doch,
wurde ich belehrt, es stimme, da in vielen Fällen gewählte Lokalpolitikern
ihren Wählern die Arnona (Lokalsteuern) individuell erlassen, damit der
damit schmierende Politiker wieder gewählt würde - kein Kompliment zum
arabischen Demokratieverständnis. Der zweite Grund sei, dass es in der
arabischen Gesellschaft mehr Armut gäbe, als unter uns Juden (was
statistisch bestätigt ist) und drittens, dass arabische Bürger, unabhängig
von der Höhe ihres Einkommens sehr oft in sehr grossen quadratmeterreichen
Häusern wohnen. Die Arnona wird nach Zahl der Quadratmeter Wohnfläche
bestimmt und so gehe die Steuerrechnung für viele nicht auf und könne
nicht bezahlt werden.
Im Verein „Olivenbaum“ hat Hanis Bruder Kamal, Oberstleutnant a.D., die
Planung übernommen. Das sollte „Action“ bewirken, drusische Militärs sind
nicht als zimperlich, sondern als forsch bekannt. Etwas Zack-Zack wird in
diesem Fall nicht schaden. Täglich erhalte ich Anrufe, deren Hauptthema
gerade die jüdischen Siedler auf der einen und die palästinensischen
Leichenschänder auf der anderen Seite sind. Die palästinensischen
Terroristen fahren neuerdings auf einer Welle echter militärischer
Aktionen, wie die zwei explodierten gepanzerten Militärtransporter zeigen.
Wir sind im Krieg, was viele nicht wahrhaben wollen und es finden auch von
terroristischer Seite Aktionen statt, die man nicht als Terroranschläge
abtun kann. Die darauf hin erfolgte Leichenschänderei, der versuchte
palästinensische Handel mit Leichenteilen israelischer Soldaten, die
Ermordung und Zerschiessung einer Mutter mit ihren vier Kleinkindern und
der restliche Massenterror gegen israelische Frauen und Kinder oder wenn
wir in den Irak schauen, die gefilmte Köpfung eines jüdischen Menschen (schon
der Zweite, Daniel Pearl starb im ebenfalls muslimischen Pakistan), das
sind offenbar Besonderheiten im zwischenmenschlichen Umgang in der
muslimischen Welt, die wohlwollend zuschaut. Die amerikanische und
englische Behandlung gefangener Irakis in einem Gefängnis, das früher
Saddam Hussein zur Sonderbehandlung seiner eigenen Bevölkerung diente, so
schlimm es ist, wird von der gesamten Welt mit Getöse verurteilt – die
Betrachtungsweise arabischer gegenüber amerikanischer oder israelischer
Obszönitäten könnte unterschiedlicher nicht sein. Mehr als darauf
hinweisen kann ich nicht. Der einzige Schluss könnte sein – doch bin ich
nicht sicher – dass die muslimische Welt ihr bestes tut, Professor Samuel
P. Huntington recht zu geben.
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