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Vor kurzer Zeit wurde „mein“ Jazzclub Bluesette
endgültig geschlossen. Zwar habe ich ihn seit vielen Monaten nicht mehr
besucht und noch länger auch nichts mehr für ihn getan – früher übersetzte
ich die Programme in die englische Sprache, organisierte und nahm an Jam
Sessions teil, führte Auditionen durch und machte Gourmetproben in der
Küche – im Laufe der Zeit wurde es mir zu laut, denn sogar gepflegter
Mainstream Jazz oder eine singende Folklore Gruppe (was es zwischendurch
auch gab) wurde über die Verstärkeranlage so überlaut, als wäre es
Hardrock oder R&B an einem Open Air Konzert, dass ich einfach nicht mehr
ertrug zuzuhören. Mir wurde erklärt, dass dies in Israel so gewünscht
werde, wohl nach dem Motto „laute Leute in einem lauten Land wollen laute
Musik“. Der zweite Grund war der, dass die Gigs einfach viel zu spät
begannen, normalerweise bequemten sich die Musiker nicht vor halb elf auf
die Bühne, meist sogar noch später.
Meine Proteste halfen nichts. Schade, das Bluesette ist ein schönes,
stilvolles Lokal, in das Zigi sehr viel investiert hat. Mit der „Lage“ im
Land hat das traurige Ende wenig zu tun, denn die Auslastung des Lokals
war nicht schlecht, doch drei bis vier Tage in der Woche sind kommerziell
nicht tragbar. Dazu sind die Fixkosten zu hoch und Zigi konnte auf die
Länge den mit so viel Liebe geschaffenen Club nicht länger subventionieren.
Jetzt ist in Zichron nur noch das Cabaret da, weit kleiner als das
Bluesette und deshalb nur für Kleinstformationen und Kleinkunst benutzbar.
Die im Sommer im Hinterhof durchgeführten Konzerte wurden nach elf Uhr von
der Polizei nicht mehr geduldet – die Stadtregierung (die alte) hatte für
die Förderung lokaler Kultur in der Touristen- und Weinstadt Zichron
Ya’akov kein Verständnis. (Vielleicht ändert sich das nun mit den neuen
Leuten im Stadthaus). Immerhin, gestern Abend waren Dani Schürch, sein
Neffe Kobi und ich im Cabaret, es spielten der Kontrabassist Udi
Kazimirsky und ein mir bekannter Schlagzeuger, der jedoch Vibraphone
spielte, recht hübsch doch technisch unbedarft und unfähig zu
improvisieren. Als Drummer gefällt er mir besser. Dan Cahn, der Pianist,
den ich seinerzeit im Cabaret einführte und dem es gelang für das
Minilokal ein Klavier zu organisieren, sass neben uns im Publikum.
Bassgeige und Vibraphone füllten die kleine Bühne, für einen Stuhl am
Klavier war kein Platz mehr da.
Es gibt auch anderes zu berichten:
Meine beste Freundin sandte mir einen Presseausschnitt, der revolutionär
in seiner mutigen Aussage ist:
Kardinal vergleicht islamischen Antisemitismus
mit NS-Ideologie
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Rom, 6.11.03 (Kipa) Der italienische Kardinal
Roberto Tucci hat den in der islamischen Welt verbreiteten
Antisemitismus mit der Ideologie des Nationalsozialismus verglichen.
In einem am Donnerstag ausgestrahlten Interview mit Radio Vatikan
sagte Tucci, es gebe heute in der gesamten islamischen Welt eine "Erziehung
zu einem wahrhaft verbissenen Antisemitismus der schlimmsten Art".
Er komme gleich nach dem Antisemitismus des Nationalsozialismus oder
sei diesem sogar ebenbürtig. Die Erziehung zu dieser Haltung
durchdringe die Medien und die Schulen in der islamischen Welt,
beklagte der Kardinal.
Tucci äusserte sich auch zu der jüngsten EU-Umfrage zum
Antisemitismus in Europa. Er sagte, die dabei zu Tage getretene
Aversion gegen Israel vor allem in Nordeuropa sei ein Alarmsignal
dafür, dass es auch unter einigen Schichten der christlichen
Bevölkerung
Antisemitismus gebe.
(kipa/r/job) |
Aus dem fernen Kanada erhielt ich einen Artikeln von Yossi Klein Halevi,
dem Autor des Buches „At the Entrance to the Garden of Eden“ (
A Jew's Search for Hope with Christians and Muslims in the Holy Land),
in dem er wunderschön seine Bemühungen und Erfahrungen um religiöses
Verständnis zwischen Christen, Juden und Muslims in Israel, Gazastreifen
und der Westbank beschrieb. Mit Beginn des Blutbades, das von den
Palästinensern einer Friedensregelung vorgezogen wurde, brachen seine
Verbindungen zu Geistlichen über der Grünen Linie ab, vor allen deshalb,
weil sie von den Islamisten und der PA unter lebensbedrohenden Druck
gesetzt wurden. Yossi ist auf seine Art religiös, ein offener Mensch, ein
Sucher, der findet und dann grosse Teile des gefundenen wieder verliert.
Das Buch ist auch heute noch lesenswert.
Yossi, ein enttäuschter Oslo-Anhänger, schreibt in Englisch über den „Zaun“,
bringt die selben Fakten und ähnliche Betrachtungen wie ich, auch wenn er
etwas nationaler denkt. Er bringt aber auch andere Erkenntnisse, von denen
ich hier einige übersetzt wiedergeben will, auch wenn ich nicht mit allem
einverstanden sein muss:
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Paul Uri Russak, 66,
gebürtiger Schweizer, schreibt sein vor allem an jüdische und christliche
Freunde gerichtetes Tagebuch seit September 2000. Er wohnt im Weindorf
Zichron Ya'akov am südlichen Ende des Carmelberges, nahe am Meer. Uri ist
gelernter Verlagsbuchhändler, heute pensioniert.
Wie vielen Israelis aus dem politisch linken Spektrum hat sich seine
Einstellung durch die Realität der Ereignisse der letzten drei Jahre etwas
nach rechts verschoben, auch wenn sie sich noch immer links der Mitte
befindet. Uri betätigt sich heute als Publizist in deutscher und
englischer Sprache und setzt sich aktiv für die Verbesserung des
zwischenmenschlichen und politischen Verhältnisses zwischen jüdischen und
arabischen Bürgern Israels ein.
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